Ein Beitrag von
Reto Zingg, Beauftragter der GWWK für Renaturierungen und Revitalisierungen bei Wasserwirbelprojekten www.oekoberatungen.ch

Kanalisierte Fliessgewässer durchströmen meistens artenarme, von Fettwiesen oder intensiv bewirtschafteten Ackerflächen geprägte Meliorationslandschaften. Ökologische Aufwertungen können hier zu einer entscheidenden Belebung der Landschaft führen. Gelingt es, ein Netz von Kleinlebensräumen und damit ein Netz des Lebens mit möglichst hoher Vielfalt zu schaffen, so wird sich die Zahl von vorkommenden Pflanzen- und Tierarten entscheidend erhöhen. Ein solcher Beitrag zur Biodiversität kann jedoch nur geleistet werden, wenn die dazu notwendigen Landflächen zur Verfügung stehen.

Neben der Energiegewinnung, etwa durch Wasserwirbelwerke, kann oftmals auch ein Beitrag zu einem naturnahen Hochwasserschutz geleistet werden. Dies ist dann möglich, wenn verbaute Teilstrecken der kanalisierten Fliessgewässer aus ihrem Korsett befreit werden.

Als Realersatz werden beim Neu- und Umbau von Kleinkraftwerken von den Behörden ökologische Ausgleichsmassnahmen als eine Bedingung für die Erteilung von Konzessionen verlangt.

Hier werden Kleinlebensräume vorgestellt, wie sie in der Ostschweiz innerhalb mehrerer Projekte während den vergangenen Jahren realisiert wurden.

Solche neu geschaffene, naturnahe Landschaftskammern sind auch bei der Bevölkerung als Erholungsräume sehr beliebt. Es gilt deshalb mittels eines angepassten Konzeptes mit geschickter Information und Besucherlenkung im Sinne der Nachhaltigkeit sowohl ungestörte Nahrungsgründe und Aufenthaltsräume etwa auch für empfindliche Tierarten als auch Wohlfühloasen für die erholungssuchende Bevölkerung zu schaffen.

Rückzugsbereiche für tierische Bewohner von Feuchtgebieten sollen nicht nur entlang der Uferbereiche, sondern ebenso für Fische im aquatischen Raum gebaut werden. Sowohl im Hochwasserbereich der Flüsse und Bäche, als auch ausserhalb sollen Kleingewässer mit Stillwasser angelegt werden, die den Charakter von Altwassern aufweisen. Dank der Anlage von Verlandungszonen, Seitenarmen und Tümpeln erhalten Uferlandschaften ein reicheres Kleinrelief. Die vertikalen Linien von Meliorationslandschaften mit linear verbauten Flussufern werden aufgehoben. Damit erhält die Landschaft mehr horizontale Tiefe und wird dadurch ästhetisch bereichert.

Neben den vom Wasser geprägten Kleinlebensräumen sollen auch trockenwarme Landschaftsstrukturen mit Rohböden geschaffen werden, auf welche Arten wie Geburtshelferkröte, Ringelnatter, Zauneidechse neben zahlreichen Insektenarten, wie Wildbienen und Hummeln, angewiesen sind. Trockenwiesenpartien weisen eine hohe Anzahl von Blütenpflanzen auf, deren Nektar von Tag- und Nachtfaltern gesammelt wird.

Krautsäume, Einzelbüsche und teilweise bestockte Uferbereiche dienen einerseits schattenliebenden, wie andererseits lichthungrigen Pflanzen- und Tierarten als Lebensräume.

Ruethi6

Ruethi5

 

 

 

 

 

Die bunte Flora an trockenwarmen Böschungen mit Rohböden erfreuen Jung und Alt.

 

rüthi_IMG_9363_wildhaber

Die Erfahrung zeigt , dass mittels Baumstämmen und Steinen geschaffene , vom Wasser überströmte Habitate

von verschiedenen Fischarten und wasserbewohnenden Kleintieren sehr gerne als Ruhe-, Fress- und Deckungsräume angenommen werden.

 

Ruethi4

 

An Stelle einer mit Blocksteinen verbauten Böschung wurde hier ein strukturreicher halboffener Ufersaum geschaffen.

 

 

 

Ruethi7

Ruethi8

Seitenarme des gestauten Flussabschnittes mit Hinterwassern beleben die Landschaft und geben ihr mehr Tiefe. Dank der Entfernung von Verbauungen konnten die linearen Uferbereiche aufgelöst werden. Mit der erhöhten Anzahl der Grenzlinien zwischen Wasser und Land bringt die Aufweitung eine Verbesserung der ökologischen Vielfalt.

 

 

März 27, 2014

Translate »